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#1

FEMEN (eine neue Frauenbewegung)

in Gesellschaft 22.12.2011 15:15
von Lisadill • 744 Beiträge

In der neuen Ausgabe der Emma bin ich auf diese neue, freche Bewegung gestossen. Geht von der Ukraine aus("die Ukraine ist ein grosses Bordell)",hat sich aber auch schon weiter verbreitet.z.b. Paris...bemerkenswert!

www.myspace.com/femenukraine

femen.livejournal.com/

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#2

RE: FEMEN (eine neue Frauenbewegung)

in Gesellschaft 24.12.2011 13:30
von Lisadill • 744 Beiträge

passend zur Frauenbewegung ein Film:

Fest der Liebe im Kino: Wie gegen präfreudianische Hysterie der Vibrator erfunden wurde, erzählt die englische Komödie »In guten Händen«
Von Anja Trebbin


Der Vibrator, das heute meistverkaufte Sexspielzeug, wurde im 19. Jahrhundert als medizinisches Gerät entwickelt. Und zwar, um Frauen zu massieren, die an »Hysterie« litten. Diese »Krankheit« haben sich die Ärzte der alten Griechen ausgedacht. Eine ausgeklügelte Strategie zur Absicherung des Patriarchats: Von der Antike bis in die 1950er Jahre hinein war »Hysterie« das Etikett, das die Männer allen Verhaltensweisen von Frauen verpaßten, die ihnen rätselhaft vorkamen. So konnten sie jede querulente Frau getrost für krank erklären. In der romantischen Komödie »In guten Händen« beschäftigt sich die Regisseurin Tanya Wexler mit diesem abstrusen Kapitel der Medizingeschichte. Außerdem erzählt sie von den Anfängen der Elektrizität, der beginnenden Frauenbewegung, von weiblicher Lust und – natürlich – von der Liebe. Ziemlich viel Inhalt für das ansonsten nervtötend monothematische Genre der romantischen Komödie.

England um 1880: Mortimer Granville (Hugh Dancy), ein junger Arzt, ist frustriert. Als Anhänger der neuesten medizinischen Erkenntnisse verliert er dauernd seinen Job, weil er es nicht ertragen kann, den älteren Kollegen dabei zuzusehen, wie sie lieber ein Bein amputieren, als die Wunde zu desinfizieren. Zwar hat er eigentlich keine Lust, die Versorgung schwerkranker Menschen gegen eine dekadente Wohlstandsmedizin zu tauschen, aber es bleibt ihm nichts anderes übrig. So verschlägt es ihn in die vornehme Praxis von Dr. Dalrymple (Jonathan Pryce), der sich auf die Behandlung vermeintlicher Hysterikerinnen spezialisiert hat.

Man glaubte damals, daß die als »hysterisch« bezeichneten Phänomene – Schlafstörungen, zu wenig oder zuviel Interesse an Sex, die Forderung des Wahlrechts etc. – durch eine im Körper hin und herwandernde Gebärmutter verursacht würden. »Hysterie« kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich »umherschweifende Gebärmutter«. Freud verschob das Ganze dann von der körperlichen auf die seelische Ebene: Hysterie sei ein psychisches Leiden, das aus traumatischen sexuellen Erfahrungen der frühen Kindheit herrühre. Damit wurden hysterische Männer denkbar. Am Grundprinzip der Pathologisierung bestimmter Verhaltensweisen änderte das jedoch nichts.

Dr. Dalrymple arbeitet noch zu präfreudianischen Zeiten, also vor der Konjunktur endloser analytischer Gespräche. Seine Methode zur Abhilfe ist kurzweiliger: Er massiert die Patientinnen im Intimbereich, damit – und das glaubten die Ärzte damals wirklich – die dadurch ausgelösten Muskelkrämpfe den Uterus wieder an seinen Platz befördern. Im Klartext: Er besorgt es den gelangweilten, unterforderten und unterbeschäftigten Mädels aus der Oberschicht, bis sie orgasmusgeschüttelt für einen kurzen Augenblick ihre Wohlstandsprobleme vergessen.

Kein Wunder, daß sich Dalrymples Praxis großer Beliebtheit erfreut. Und als schließlich der junge, knackige Granville bei ihm anfängt, sprengt der Andrang den Terminkalender. Dalrymples Mitarbeiter blickt einer glänzenden Zukunft entgegen: Der Chef will ihn als Teilhaber und ihm sein niedliches Töchterchen Emily (Felicity Jones) zur Frau geben. Leider macht Granville kurz vor dem Finale schlapp: Sehnenscheidenentzündung durch die monotone Belastung der Hand. Er kann seine Patientinnen nicht mehr zielführend betreuen. Es hagelt Beschwerden; Dalrymple entläßt ihn.

Verzweifelt wendet sich Granville an den Jugendfreund Edmund (Rupert Everett), Dandy und Mechanikfreak, der gerade an einem elektronischen Staubwedel herumtüftelt. Der überwältigende Erfolg dieses »Vibrationsgerätes« überzeugt Dalrymple – auch, was Tochter Emily betrifft. Doch Granville hat inzwischen Charlotte für sich entdeckt, Emilys Schwester. Charlotte (grandios gespielt von Maggie Gyllenhaal) ist impulsiv und unabhängig. Sie arbeitet in einem Armenhaus, kämpft gegen soziale Ungerechtigkeit und für die Gleichberechtigung der Frau. Der vertrocknete Dalrymple aber verachtet sie und läßt nichts unversucht, den Kontakt zu zerstören.

Immer wieder wurde die Medizin im Laufe der Geschichte als Machtinstrument eingesetzt. Die Erfindung der Hysterie ist dafür ein gutes Beispiel. Frauen hatten lange Zeit kaum Rechte und Möglichkeiten sich auszudrücken. Ergriffen sie bestimmte Kompensationsstrate gien, wurden sie von den Männern für »krank« erklärt. Zwar widmet sich der Film der komisch-absurden Seite des Ganzen, wirft jedoch auch einen Blick auf die Schattenseiten: Einweisungen »hysterischer« Frauen in die Psychiatrie, Operationen an der Gebärmutter oder deren Entfernung.

»In guten Händen« ist lustig, ohne zu banalisieren. Der Witz des Gezeigten funktioniert vor allem deshalb, weil der heutige Zuschauer den viktorianischen Akteuren um bestimmte Kenntnisse voraus ist: Dr. Dalrymples Zeitgenossen glaubten, daß Frauen nur durch männliche Penetration Lust empfinden können. Derartige »Massagen« wurden darum nicht mit Sex in Verbindung gebracht.

Zwar erzählt Wexler in erster Linie von Granvilles Karriere als Pionier des Elektroorgasmus, die eigentliche Hauptperson jedoch ist Charlotte. Durch sie spricht die Wahrheit, Redlichkeit, Gerechtigkeit und Lebensfreude gegenüber der männlichen Herrschaft mit ihrer Ausbeutung, der Prüderie und der Lügen. Durch sie verkündet der Film – zwar etwas plakativ, dennoch leidenschaftlich und überzeugend – seine Botschaft: Wenn irgend etwas operiert werden sollte, dann doch die bigotte patriarchale Klassengesellschaft.

»In guten Händen«, Regie: Tanya Wexler, GB 2011, 100 min, Donnerstag angelaufen

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